Glossar: L

Lesen

Wissenschaftliche Texte sind in der Regel so gestaltet, dass sie von einem fachlich kundigen Adressatenkreis rezipiert und verstanden werden, weshalb sie entsprechend häufig in ihrer Komplexität (z. B. Fachbegriffe, Argumentationsstruktur, Verweis auf andere Theorien und Autoren) nicht ohne ein bestimmtes Vorwissen oder beim ersten Lesen verstanden werden. Um ‚schwierige‘ wissenschaftliche Texte schrittweise in ihrer Komplexität zu reduzieren, kann es hilfreich sein, sie mehrfach und mit jeweils unterschiedlichen Intentionen/Leseaufträgen zu lesen.
Ähnlich wie der Schreibprozess kann auch der Leseprozess in verschiedene Teilaufgaben für den Leser unterteilt werden, wie z. B. im Rahmen der SQ3R-Methode von Francis Robinson: So kann z. B. zunächst ein erster Überblick gewonnen werden (survey), um dann eigene Fragen an den Text zu stellen und ihn entsprechend unter diesem Fokus zu überprüfen (question); der eigentliche Leseprozess (read) wird von der Phase der Textwiedergabe angeschlossen (recite), deren Ziel darin besteht, den Inhalt des Textes wiedergeben zu können. In der anschließenden review-Phase geht es um die Reflexion und Überprüfung des Gelesenen in Kombination mit den eigenen Gedanken und Verstehensprozessen. Insgesamt wird der Text in seiner Komplexität also schrittweise erschlossen. Hilfreich kann dabei z. B. auch sein, ein eigenes Siglensystem (z. B. ein Blitz für kritische Passagen im Text, ein Ausrufezeichen für ‚das merke ich mir‘ oder einen Pfeil für ‚das ist wichtig für meine Argumentation‘ etc.) zu verwenden, mit Unterstreichungen und Markierungen zu arbeiten oder die Absätze des Textes zur Visualisierung der Gliederung mit Schlagwörtern und/oder (Teil-)überschriften zu versehen.

Ilka Lemke (ehemalige Tutorin am Schreibzentrum)

Literaturverwaltung

Unter Literaturverwaltung wird die Organisation von Literatur und diesbezüglichen (Lese-)Notizen verstanden, die im Laufe des Schreibprozesses verwendet werden, um eine Hausarbeit (bzw. Abschlussarbeit) zu verfassen. Hierbei gibt es die unterschiedlichsten Methoden, die von handschriftlichen Notizen und Zettelkatalogen bis hin zu sogenannten Literaturverwaltungsprogrammen (wie. Citavi) reichen.

Egal ob die Literaturverwaltung analog oder digital erfolgt, ist es wichtig, dabei darauf zu achten, dass die Notizen, Anmerkungen und Exzerpte später eindeutig einem Werk zuzuordnen sind und die Sortierung für einen selbst nachvollziehbar bzw. systematisch ist. Natürlich kann die Arbeit am Computer auch mit der Arbeit mit dem Papier verknüpft werden, um so die jeweiligen Vorteile für sich zu nutzen (→ Computer: gute Lesbarkeit der Schrift, Stichwortsuche, Weiterverwendung von Textteilen, Literaturverwaltung; → Papier: Überblick durch Ausbreiten und Sortieren im Raum, Sichtbarkeit des Geleisteten, Anfassbarkeit).

Literatur:
Lange, Ulrike (2013): Fachtexte lesen – verstehen – wiedergeben. Paderborn.

Benjamin Slowig (ehemaliger Tutor am Schreibzentrum)

Literaturverzeichnis

Zu jeder wissenschaftlichen Hausarbeit oder Abschlussarbeit gehört ein Literaturverzeichnis. Auch bei anderen (oft kürzeren) Textsorten (z. B. Essay, Handout) kann ein Literaturverzeichnis vorkommen. Das Literaturverzeichnis schließt unmittelbar an den Textteil der Arbeit an.

Das Literaturverzeichnis erfüllt die Funktion, die gesamte verwendete Literatur der Arbeit, egal ob Print oder digital, gesammelt einsehen zu können. Es sind alle Quellen aufzunehmen, auf die im Text (entweder durch wörtliche Zitate, direkte Übernahmen (z. B. einer Tabelle) oder durch einen in eigene Worte gefassten Gedankengang einer Quelle) Bezug genommen wurde. Wenn Texte zum Thema gelesen wurden, die für den eigenen Text letztlich nicht verwendet wurden, sind diese meist nicht in das Literaturverzeichnis aufzunehmen. D. h. alle Quellen der Arbeit müssen im Literaturverzeichnis aufgeführt werden und umgekehrt müssen alle Quellenangaben des Literaturverzeichnisses in der Arbeit wiederzufinden sein. Außerdem bietet das Literaturverzeichnis dem Leser den Vorteil sich bei Bedarf die für die Arbeit verwendeten Originalquellen selbst zu beschaffen. Dafür ist es unabdingbar, die Quellen exakt zu benennen.

Wie die Literatur im Einzelnen im Literaturverzeichnis angegeben wird, kann von Fachbereich zu Fachbereich oder sogar innerhalb eines Fachbereiches variieren. Gemeinsam ist allen Fachbereichen jedoch, dass zwischen Monographien, Aufsätzen (aus Sammelbänden, Fachzeitschriften), Lexikonartikeln oder Internetquellen unterschieden wird. Diese werden unterschiedlich angegeben bzw. aus der Art und Weise der Angabe muss deutlich werden, ob es sich z. B. um eine Monographie oder einen Fachzeitschriftenaufsatz handelt. Trotz der (fachabhängigen) unterschiedlichen Möglichkeiten, die Literatur im Literaturverzeichnis anzugeben, müssen gewisse Angaben jedoch immer zwingend enthalten sein: Name des Autors, Erscheinungsjahr, Titel der Schrift, ggfls. Name des Herausgebers und in welchem Sammelband erschienen, ggfls. in welcher Zeitschrift erschienen, Erscheinungsort und Verlag. Bei Internetquellen sind die URL-Adresse der Webseite und das Datum des letzten Aufrufs anzugeben.

Jede einzelne Literaturangabe schließt immer mit einem Punkt ab. Sortiert werden die einzelnen Angaben im Literaturverzeichnis in vielen Fächern alphabetisch nach dem Nachnamen des Autors. In technischen Fächern erfolgt die Sortierung häufig nicht alphabetisch, sondern die Angaben werden in der Reihenfolge ins Literaturverzeichnis aufgenommen, wie sie auch in der Arbeit vorkommen. Sie werden fortfolgend mit arabischen Ziffern in eckigen Klammern durchnummeriert. Beispielhaft bedeutet dies: Wird zum ersten Mal im Text auf Literatur verwiesen, erfolgt dies durch das Setzen von [1]. Wird zum zweiten Mal auf Literatur verwiesen, bei der es sich nicht um die gleiche handelt, wie zuerst, so wird eine [2] gesetzt und so weiter. Im Literaturverzeichnis kann dann unter [1] (oder entsprechend) nachgesehen werden, um welchen Autor bzw. welche Literatur es sich dabei handelt. Wird im Laufe der Arbeit erneut auf diese Literaturangabe verwiesen, wird immer wieder die [1] (oder entsprechend) gesetzt. Für die alphabetische Sortierung kann zudem festgehalten werden: Gibt es von einem Autor mehrere (in der eigenen Arbeit verwendete) Veröffentlichungen, so können diese chronologisch nach dem Erscheinungsjahr sortiert werden. Dabei gilt meistens die Regel, die aktuellste Veröffentlichung zuerst aufzuführen. Gibt es vom gleichen Autor zwei oder mehrere Veröffentlichungen aus dem gleichen Jahr, so kann zur Unterscheidung ‚a, b, c…‘ hinter das Erscheinungsjahr gesetzt werden, z. B. Schmidt (2015); Schmidt (2015a); Schmidt (2015b). Neben der rein alphabetischen Sortierung kann auch (zusätzlich) systematisch sortiert werden, z. B. nach Primär- und Sekundärliteratur. Das Verständnis von Primär- und Sekundärliteratur kann je nach Fachdisziplin unterschiedlich ausfallen.

In manchen geisteswissenschaftlichen Disziplinen bezeichnet Sekundärliteratur die Fachliteratur, die sich wissenschaftlich mit Primärliteratur beschäftigt. Ein Primärtext kann z. B. ein literarisches Werk (z. B. Gedicht), ein historischer oder religiöser Originaltext sein. Historiker verfeinern nochmals, indem Primärliteratur als Primärquelle bezeichnet wird. Daneben gibt es die Sekundärquelle, die eine Primärquelle ergänzt oder evtl. ersetzt, weil diese z. B. nicht mehr existiert.

In den Naturwissenschaften bezeichnet Primärliteratur etwas, was erstmals ausgearbeitet wurde. Daher kann Primärliteratur in dieser Disziplin höchstaktuell sein. Von Sekundärliteratur wird dann gesprochen, wenn sich ein Autor in seiner Abhandlung auf diesen Primärtext bezieht.
Einige Disziplinen verstehen unter Sekundärliteratur Texte, die Forschungsergebnisse anderer referieren und unter Primärliteratur wiederum Texte, in denen neue bzw. eigene Forschungsergebnisse beschrieben werden.

Internetquellen werden im Literaturverzeichnis manchmal unter gleichnamiger Rubrik unterhalb der übrigen Literatur gesondert gesammelt. Meistens handelt es sich dann um Webseiten, bei denen es keinen Autor, Herausgeber oder Verlag gibt. Internetquellen hingegen, wie z. B. ein Aufsatz aus einer Online-Zeitschrift, bei denen es einen Autor, evtl. einen Herausgeber und Verlag gibt, werden i. d. R. (wie die gedruckte Literatur) alphabetisch nach dem Nachnamen des Autors in das Literaturverzeichnis einsortiert (mit Angabe der URL-Adresse und das Datum des letzten Aufrufs).

Beim Erstellen eines Literaturverzeichnisses können auch Literaturverwaltungsprogramme hilfreich sein, wie z. B. Citavi.

Nadine Trojan (Tutorin am Schreibzentrum)

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